Online-Buchvorstellung: Konformistische Rebellen

Am 25.05.2020 um 19 Uhr stellt Mitherausgeber Andreas Stahl den Sammelband „Konformistische Rebellen – Zur Aktualität des autoritären Charakters“ auf dem YouTube-Kanal des „Bündnis gegen Antisemitismus Köln“ vor. Die Buchvorstellung wird sich einer allgemeinen Einführung zum Thema „Autoritärer Charakter“ von PD Dr. Ingo Elbe anschließen, der ebenfalls einen Beitrag für den Sammelband verfasst hat.

Das Plakat zur Veranstaltungsreihe „Damals wie heute? Der ‚autoritäre Charakter'“ vom Bündnis gegen Antisemitismus Köln

27.02.2020: Beitrag im MDR

Auszug aus der Sendung „Das Altpapier“ vom Mitteldeutschen Rundfunk am 27. Februar 2020:

„Eine zeitgenössische Variante des autoritären Charakters“

Eine nach meiner Einschätzung frische und in gewisser Hinsicht auch erfrischende Erklärung dafür, warum so viele Journalisten „mit Rechten reden“ wollen, hält Christine Kirchhoff in der März-Ausgabe von konkret parat (derzeit nicht online). In dem Text, der Ende April in einer längeren Fassung in dem vom Verbrecher Verlag veröffentlichten Band „Konformistische Rebellen. Zur Aktualität des autoritären Charakters“ erscheint, erklärt sie dies unter Bezugnahme auf Freud und Adorno, insbesondere auf den von Letzterem so genannten „Gefühls-Befreiungs-Trick“:

„,Mit Rechten reden‘ ist zu allererst ein mediales Phänomen. In der Lust an der delegierten Gefühlsbefreiung zeigt sich eine zeitgenössische Variante des autoritären Charakters: Die Rechten, das sind die anderen, im Reden mit den Rechten und im Reden über das Reden mit Rechten wird die eigene Lust an der Enthemmung projiziert und in der Identifikation mit Rechten als Lust der anderen mitgenossen.“

Fürs Verständnis dessen, was im deutschen Journalismus derzeit falsch läuft, beziehungsweise fürs Verständnis der „nicht abflauenden Begeisterung dafür, sich anzuschauen, wie mit Rechten geredet wird“ (Kirchhoff), ist möglicherweise folgende Passage besonders hilfreich:

„Wenn die unmittelbare Enthemmung (noch) nicht genossen werden kann, dann ist die delegierte Gefühlsbefreiung eine Möglichkeit der Distanzierung und damit, im Freudschen Sinne, der Verkleidung. Das heißt, dass das anhaltende Interesse am Reden mit Rechten, das sich nicht trotz, sondern wegen seines offensichtlichen Scheiterns als pädagogischer oder aufklärerischer Akt erhält, wenig mit Aufklärung oder gar Antifaschismus zu tun hat.“

14.12.2018: Thesen am Tresen #6 – Rosa Salon

Monatliche Kneipe an jedem zweiten Freitag in den Vorlesungsmonaten.

Bei den Thesen am Tresen stellen sich linkspolitische und humanistische Gruppen vor und geben einen kurzen Einblick in ihre Arbeit. Um 19.15 Uhr folgt jeweils ein kurzer Input in Form einer Gruppenselbstdarstellung (ca. 30 Minuten), anschließend Kneipe. Für Getränke sorgen die gastgebenden Locations, das sind wechselnd der Komplex – Infoladen Trier und die villaWuller.

Dieses Mal stellt sich der Rosa Salon vor.

Alle Termine im Überblick:
13.4. (Infoladen) #1: Barnausen
11.5. (Villa) #2: Evolutionäre Humanisten Trier
8.6. (Infoladen) #3: Referat für Politische Bildung
13.7. (Villa) #4: Referat für Antirassismus und Antifaschismus
9.11. (Infoladen) #5: Die Falken Stadtverband Trier
14.12. (Villa) #6: Rosa Salon

16.11.2018: Marx-Lesekreis zu „Das Kapital“ (Band I)

Prof. Dr. Martin Loiperdinger bietet dieses Semester einen Marx-Lesekreis zum ersten Band des Kapital an. Dieser soll regelmäßig stattfinden, die genauen Termine werden beim ersten Treffen am 16. November um 12 Uhr in Raum A308 besprochen.

Der Lesekreis ist offen für alle Interessierten. Es wird jedoch um eine verbindliche Anmeldung bis zum 14. November per Email an info@rosasalon.de gebeten.

09.11.2018: Thesen am Tresen #5 – Die Falken Stadtverband Trier

Monatliche Kneipe an jedem zweiten Freitag in den Vorlesungsmonaten.

Dieses Mal steht die Veranstaltung im Zeichen der Tagung Die Rückkehr des autoritären Charakters.
20 Uhr (s.t.): Filmvorführung „Jahrhundertwende“ und anschließende Diskussion mit dem Regisseur Moirtz Liewerscheidt.

Alle Termine im Überblick:
13.4. (Infoladen) #1: Barnausen
11.5. (Villa) #2: Evolutionäre Humanisten Trier
8.6. (Infoladen) #3: Referat für Politische Bildung
13.7. (Villa) #4: Referat für Antirassismus und Antifaschismus
9.11. (Infoladen) #5: Die Falken Stadtverband Trier
14.12. (Villa) #6: Rosa Salon

07.11.2018: „Spätkapitalismus, Autoritärer Charakter, Kulturindustrie – Einführung in die Kritische Theorie“ (Ingo Elbe)

Vortrag im Rahmen der Reihe „Politische Psychologie heute: Die Rückkehr des autoritären Charakters“ am 7. November um 18 Uhr (c.t.) in Raum N2 der Universität Trier.

Inhalt

Das Frankfurter Institut für Sozialforschung um Max Horkheimer, Erich Fromm, Theodor W. Adorno, Herbert Marcuse und andere entwickelte seit den 1930er Jahren das Programm einer interdisziplinären kritischen Gesellschaftstheorie und stellte sich den Erfahrungen des Scheiterns der sozialistischen Bewegungen, der Ausbreitung von Autoritarismus und Faschismus in Europa und schließlich der Shoah: Die gesellschaftlichen Bedingungen und psychologischen Mechanismen autoritärer und antisemitischer Ideologien wurden ebenso analysiert wie die Strukturen der Kulturindustrie. Diese sozialpsychologischen und kulturkritischen Untersuchungen sollten zunächst mittels eines unorthodox interpretierten Marxismus zu einer „Theorie des gegenwärtigen Zeitalters“ beitragen.

Der Vortrag soll eine Einführung in theoretische Quellen, Grundgedanken und Entwicklung dieser Theorieschule liefern.

Referent

Dr. Ingo Elbe ist Privatdozent und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie der Universität Oldenburg. 2010 erschien in zweiter Auflage sein Buch ›Marx im Westen. Die neue Marx-Lektüre in der Bundesrepublik‹. Zahlreiche Veröffentlichungen zum Thema Marx -/Marxismusforschung und zur politischen Philosophie. Aktuelles Buch: ›Paradigmen anonymer Herrschaft. Politische Philosophie von Hobbes bis Arendt‹. Würzburg 2015. Online-Texte unter www.rote-ruhr-uni.com sowie http://www.uni-oldenburg.de/philosophie/pd-dr-ingo-elbe/publikationen/

Lesung: Paula Irmschler und Leo Fischer

Paula Irmschler arbeitet in der Gastro, ist Society Expertin in Köln und schreibt sehr gute Gedichte auf Facebook. Sonst ist sie Pseudojournalistin für Titanic, Musikexpress, Intro und Neues Deutschland und schreibt an einem ominösen Buch, das schon seit 76 Jahren fertig sein soll. Naja!

Die Wochenzeitung Der Freitag bezeichnete Leo Fischers Arbeiten als „Dreck“, als „Gegenteil von allem, was schön und gut und wahr ist“. Papst Benedikt XVI. verklagte ihn wegen Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte; der CSU-Abgeordnete Thomas Goppel wollte ihm die „Lizenz zum Schreiben“ entziehen. Schreiben darf Herr Fischer nur noch bei TITANIC, Jungle World, Neues Deutschland und taz.

Ort: TUFA, kleiner Saal
Eintritt: 5€, nur Abendkasse

25.10.2018: Lesekreis zu „Psychoanalyse des Islam“ (Fethi Benslama)

„Allgegenwärtig ist die Religion in seinem gesamten Werk, aber nirgendwo zieht Freud in seinen Überlegungen zum Monotheismus den Islam in Betracht“ – so kommentiert Fethi Benslama, Professor für Psychoanalyse an der Universität Paris-Diderot, zu Beginn seiner bereits im Jahr 2002 in französischer Sprache erschienenen Monographie Psychoanalyse des Islam den konstitutiven Mangel der psychoanalytischen Betrachtung monotheistischer Religionen in der Ausblendung des Islams. Während sich Freud in seiner letzten Schrift Der Mann Moses und die monotheistische Religion (1939) zumindest kurz in Form einiger Hypothesen mit der „mahomedanischen Religionsstiftung“ auseinandersetzte, ist die Psychoanalyse als Disziplin und Therapieform in der islamischen Welt fast ausschließlich verweigert worden. Dieser Umstand hängt nicht zuletzt mit der Identifikation der Psychoanalyse als dezidiert jüdisch zusammen, was sich emblematisch bei dem Ideologen und glühenden Antisemiten der ägyptischen Muslimbruderschaft Sayyid Qutb findet, der diese als eine der maßgeblichen Triebfedern des allgemeinen moralischen Zusammenbruchs der islamischen Gesellschaften in ihrer Entfremdung von einem vermeintlich wahren Islam ausmacht. Der ausgebliebenen Zusammenführung von Psychoanalyse und Islam stellt sich Benslama in seinem bahnbrechenden Werk unter Beibehaltung des psychoanalytischen Instrumentariums, welches nach ihm imstande ist „die konstitutiven Verdrängungen der religiösen Institutionen“ aufzuzeigen und „ihre Metaphysik in Metapsychologie zu übersetzen“. Gleichzeitig versucht er aber auch aufzuzeigen, inwiefern der Islam selbst, in Bezug auf seine Ursprungsmythen und den daraus resultierenden Triebkräften, die Psychoanalyse auf die Probe stellt.
Im Mittelpunkt der Abhandlung steht die virulente Krise des Islam als eine panische Reaktion auf eine sündhaft aufgefasste Moderne, welche infolge des „Übergangs von der göttlichen Seele zum Unbewussten“ die destruktiven Kräfte der Zivilisation entfacht, wofür die im globalen Maßstab agierende islamistische Bewegung mit ihrem totalitären Herrschaftsanspruch als Symptom dieses Prozesses steht. Ausgehend davon beleuchtet Benslama die Stellung des Weiblichen in diesen Verdrängungsprozessen, welche der „institutionellen und symbolischen Struktur des Islams zugrunde liegen“ und verknüpft diese mit der Problematik des männlichen Narzissmus, dessen subjektive Ausformung im Anschluss an Freuds kulturtheoretische Schriften als die „zentrale Herausforderung der Kulturarbeit im Monotheismus“ benennt.

Das Ziel des Lektürekurses ist es sich den abstrakten und mit vielen Querverbindungen ausgestatteten Ausführungen Benslamas über freudianische/lacanianische Psychoanalyse, islamische Theologie/Mystik und der Dialektik der Kulturentwicklung in ihrer argumentativen Struktur anzunähern und diese zusammen zu diskutieren.

Bei dem ersten Treffen am 25.10 (18:00, c.t.) soll der allgemeine Ablaufplan der Veranstaltung vorgestellt und die Terminierung der weiteren Sitzungen abgestimmt werden. Der Raum wird noch bekannt gegeben.

Der Lesekreis ist offen für alle an der Veranstaltung Interessierten, spezifische Vorkenntnisse der aufgeführten Themenbereiche werden nicht vorausgesetzt. Bei Fragen, Anmerkungen oder Kritik stehen wir natürlich jederzeit zur Verfügung.

Leitung: Christian Jäckel

08.11.2018: „Die theoretischen Grundlagen des Rechts- und Linkspopulismus“ (Ingo Elbe)

Seminarinhalte
1) Was ist Populismus? Allgemeine Kriterien
2) Demokratie von rechts? Carl Schmitt als Vordenker des Rechtspopulismus
3) Gibt es einen Linkspopulismus? Die politische Theorie von Chantal Mouffe und Ernesto Laclau
4) Autoritärer Charakter und populistische Agitation. Erklärung und Kritik populistischer Ideologien in der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule

Populistische Bewegungen sind weltweit auf dem Vormarsch. Gegen ,die korrupten Eliten‘ wird an den ,wahren Volkswillen‘ appelliert, der nicht durch formale Wahlverfahren ermittelt wird und dessen Inhalt die populistischen Führerinnen und Führer letztlich eigenmächtig und autoritär festlegen. Das Seminar gibt einen Überblick über prominente Theorien des Rechtspopulismus und ihrer linkspopulistischen Gegenspieler. Im Zentrum stehen dabei die Fragen, welche antiparlamentarischen und antidemokratischen Elemente rechtspopulistische Anrufungen des Volkes transportieren, welche Strategien rechtspopulistische Agitatoren verwenden und wie der Aufstieg des Rechtspopulismus überhaupt zu erklären ist. Dabei wird zunächst der Beitrag von Carl Schmitt, dem Vordenker des Rechtspopulismus und einer faschistischen Artikulation des Demokratiebegriffs, untersucht. Auf dieser Grundlage werden die ProtagonistInnen des aktuellen Linkspopulismus, Chantal Mouffe und Ernesto Laclau, vorgestellt, deren Begriff des Politischen und ,postmarxistische‘ Theorie des Populismus von Bewegungen wie Syriza oder Podemos aufgegriffen wurden. Es wird die Frage gestellt, in welchem Verhältnis diese linkspopulistischen Theorien zum Rechtspopulismus stehen und ob sie eine brauchbare Alternative zu diesem darstellen. Insbesondere das Phänomen einer an Laclau und Mouffe anknüpfenden ideologischen Querfront, einer „productive convergence of the far Right and the far Left“, wie es eine amerikanische Philosophin mit begeisterter Zustimmung ausdrückt, soll kritisch thematisiert werden. Schließlich wird mit Rekurs auf die Theorie des autoritären Charakters von Erich Fromm und Theodor W. Adorno sowie Leo Löwenthals Analyse faschistischer Agitatoren ein weiterer Erklärungsansatz für rechtspopulistische Ideologien, Bewegungen und Strategien vorgestellt, der jeden Populismus als antiemanzipatorisch kritisiert.

Dr. Ingo Elbe ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Privatdozent an der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg. Letzte Publikationen zum Thema: Paradigmen anonymer Herrschaft. Politische Philosophie von Hobbes bis Arendt. Würzburg 2015; Rezension zu Jan-Werner Müller: Was ist Populismus? Ein Essay. http://www.rote-ruhr-uni.com/cms/Jan-Werner-Muller-Was-ist.html; „Politische Macht, Faschismus und Ideologie. Ernesto Laclaus Auseinandersetzung mit Nicos Poulantzas“. In: A. Hetzel (Hg.): Radikale Demokratie. Zum Staatsverständnis von Chantal Mouffe und Ernesto Laclau. Baden-Baden 2017

21.09.2018: Satirische Lesung mit Martin Knepper

Lesung mit dem Facebook-Literaten Martin Knepper.

EINTRITT FREI

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„Dies sind hier meine Einfälle,
durch die ich nicht Sachkenntnis zu geben suche,
sondern Kenntnis von mir.
Nicht nur wage ich es,
von mir selbst zu sprechen, ich spreche sogar
ausschließlich über mich selbst.“

Michel de Montaigne: Essais, 1580

Als der Ex-Soldat und Hobbygelehrte, der adlige Privatier Michel de Montaigne gegen Ende des 16. Jahrhunderts diese Zeilen niederschrieb, wurde er nicht nur einer der Geburtshelfer des Essays (Kurt Tucholsky: „Wenn es nüscht wird, wird es immer noch ein Essay“), er wurde auch zum gedanklichen Paten der Generation Facebook: Jenes „Sprechen von sich selbst“ wird jedem Nutzer förmlich eingebrannt, wenn er seine Spuren in einem scheinbar individuell für ihn erstellten Album niederschreibt, welches in eisernen Lettern ‚Chronik‘ betitelt ist. Und so verliert sich auch mancher in sich selbst: Facebook wird zum aufgebohrten Poesiealbum, zum Diaabend einer flüchtigen Moderne – das Ich findet zu sich selbst, doch oft genug übersieht es, was am Wege liegt.

Martin Knepper zählt zu der Generation jener Spracharbeiter, die die Herausforderung des immer noch despektierlich klingenden Titels des Facebook-Literaten angenommen haben und sich an einer Chronik des Lebens, nicht allein des eigenen Lebens versuchen – jedoch mit jenen Mitteln, die Facebook zur Verfügung stellt, und deren Überschrift ‚Chronik‘ stets zu sagen scheint: „Alles nicht so wichtig: Das ist nur das Netz, das bin nur ich‘.

Um diesen scheinbaren Mangel zur Waffe der Erkenntnis werden zu lassen, operiert Knepper mit zahlreichen Techniken: Traumprotokoll und gefälschte Wissenschaft, gefühlvolle Totenklage und sarkastisches Langgedicht, Satire und Meditation – die Kunst kennt die Floskel des ‚Befragens‘ von Material, Knepper hingegen greift ohne langes Fragen nach allem, was Ausdrucksmöglichkeit verspricht. Und bleibt dabei (meistens) so komisch wie nötig, um sich selbst bei Laune, und so tragisch wie möglich, den Leser in Erschütterung zu halten. Das Resultat zielt weder auf Schenkelklopfen noch auf Betroffenheit, es spricht, wie einst Herr von Montaigne, in oft verschlüsselter Weise einfach von sich selbst; und entfaltet doch gerade deswegen eine Wirksamkeit, die über den Tag ihrer Abfassung hinausreicht.